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Mittwoch, 30. Juli 2014

[Rezension] Ein Schatten von Verrat und Liebe von Diana Gabaldon

ISBN 9783641127688
Ein Schatten von Verrat und Liebe
   Bd. 8 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Vorwort

Ich habe - wie lange? 3 Jahre? - verdammt lange auf dieses Buch gewartet und bin total glücklich, dass ich es nun endlich lesen konnte!

Zusammenfassung

Jamie ist nicht tot, William weiß, dass er sein Vater ist, Claire ist mit Lord John verheiratet und Jamie ein weiteres Mal im Krieg. Das neue Buch beginnt mitten im alten Chaos und dieses, mitten in den Kriegswirren zu beseitigen und heile daraus hervor zu gehen, ist eine Herausforderung, der sich Jamie und Claire nur gemeinsam stellen können!

Rezension

Der Anfang gewährt durch Gespräche, Gedanken und Tätigkeiten einen Rückblick auf das bisher geschehene und setzt es nahtlos fort. Die Kapitel sind während dieser Zeit recht kurz, erreichen jedoch auch während der späteren Teile des Buches selten mehr als eine durchschnittliche Länge.

,,Ich bin ein Fisch...", murmelte Grey
glückselig und schloss die Augen.

Der Stilwechsel. Da ich keine spoilerfreie Möglichkeit sehe diesen Punkt zu beschreiben, er aber zu den spannendsten Aspekten des Buches gehört, ist er komplett im Spoiler-Bereich.

Der Vogel warf ihm einen
irgendwie altmodischen Blick zu.

Der Spannungsbogen. Im Gegensatz zum vorigen Band, kann ich diesmal nicht sagen, dass es irgendeinen Teil des Buches gab, der mich nicht interessierte.
Dennoch gab es deutliche Unterschiede in den verschiedenen Bereichen des Buches. Der Anfang, wie oben schon beschrieben eine Wiedereinführung in das Geschehen, war eher *nur* interessant. Der Mittelteil war durch verschiedene Aktionen, Ereignisse und Überraschungen teilweise fast unerträglich spannend, teilweise jedoch auch mit der einen oder anderen unnötigen Passage gespickt. Und das (recht ausführliche) Ende war zwar interessant und sehr schön, aber auch etwas vorhersehbar.

Jamie sah mich über Clarences Rücken hinweg
säuerlich an.
,,Kannst du den nicht erkennen, wenn ich seekrank bin, 
selbst wenn ich mich nicht übergebe?"
,,Na ja, doch", sagte ich geduldig, ,,aber du hast auch kein 
Fell, und du kannst sprechen. Du wirst grün, dir
bricht der Schweiß aus, und du liegst stöhnend herum und
flehst darum, dass man dich erschießt."

Die Personen. Der Grund für die oben erwähnte Vorhersehbarkeit des Endes, ist, dass der Großteil davon die offenen Fragen, die Sorgen, sowie die kleineren und größeren Probleme der Personen beendete und das Leben wieder in geordnete Bahnen lenkte. Und nach acht dicken Highland-Saga-Wälzern sind es eine ganze Menge Personen mit einigen Problemen geworden!

,,Ich verstehe." Der Drang zu lachen war wieder
da, doch er beherrschte sich tapfer.
,,Du warst also im Begriff, ihn im Haus zu erschießen, um
zu verhindern, dass er auf der Straße stirbt."

Der Schwerpunkt. Ich würde fast schon sagen, diese Abschlüsse - und nicht der Krieg - sind der Schwerpunkt dieses Buches, obwohl der Krieg die nötigen Ereignisse natürlich erst in die Wege leitete und den Verlauf des Lebens sowohl in diesem Buch als auch in den vorangegangenen bestimmte.


,,Da versuche ich nun, langsam vorzugehen und
sanft zu sein... und ehe ich mich´s versehe, quetscht du mir 
die Eier und steckst mir deine Finger
in den Arsch!"

Das Ende war sehr schön. Ein absolut gelungener Abschluss des Buches. Auch für die ganze Reihe wäre dies ein schönes Ende gewesen und mit einem lachenden und einem weinenden Auge dachte ich auch bis zum Schluss, dass sei es. Doch auch wenn alle großen Punkte abgeschlossen wurden und man daher (glücklicherweise!!!) nicht die drei bis vier Jahre auf glühenden Kohlen sitzen und auf die Fortsetzung warten muss, gibt es doch die ein oder andere Kleinigkeit, die offen bleibt und noch so manche unausgeschöpfte Möglichkeit. 

,,Ich habe andere geliebt, und ich liebe viele
Menschen, Sassenach - aber du allein hältst mein
ganzes Herz in deinen Händen"

Die Liebe. Wie immer beweist Jamie seine Liebe auch in diesem Buch eher durch Taten als durch Worte. Auch wenn sie auf jeden Fall da sind, sind diese schnulzspurhinterlassenden Passagen (*lach* nicht falsch verstehen, ich liebe diese Stellen mehr als alles andere in den Büchern) doch unleugbar etwas rarer gesäht als in beispielsweise Band 1 oder 3.

Fazit
Ich bin wirklich froh, dass dieses Buch ein richtiges Ende hat und nicht - wie sein Vorgänger - mittendrin aufhört. Ein weiteres Mal vier Jahre zu warten hätte mich wohl an den Rand des Wahnsinns getrieben!
Abgesehen davon... ein wirklich tolles Buch was nur aufgrund seiner etwas langgezogenen, vorhersehbaren Abschlüsse zum Ende hin keine 5 Sterne bekommt.




SPOILER

Zum Thema Personen:
 - Brianna, Roger, Jem und Mandy finden wieder zusammen und kehren zu Jamie und Claire zurück. 
- William (Jamies Sohn) bittet seinen Vater um Hilfe und spricht danach wenigstens wieder mit ihm. 
- Ians Angst ist unbegründet. Mit einer anderen Frau - Rachel - kann er problemlos Kinder bekommen. 
- William Buccleigh MacKenzie, welcher Rogers Vorfahre ist und ihn vor Jahren an den Galgen brachte - Stirbt, als Geillis mit ihm Schwanger wird.
- Henri-Christian, Marsalis jüngster Sohn, um den sie sich sorgten, da zwergwüchsige zu der Zeit selten gute, anständige Arbeit bekamen - Stirbt.
- Rollo (Ians treuer Wolfshund) stirbt im Schlaf; Adso (Claires Kater) und der weißen Sau geht es gut. 

Zum Thema Stilwechsel:

Okay, Achtung, riesiger Spoiler!!! Roger ist durch die Steine gegangen um Jem zu suchen, doch... Roger ist nicht in der Zeit rausgekommen in der Jamie und Claire gerade sind! Er kam zu einer Zeit raus BEVOR Jamie und Claire sich überhaupt kennen lernten, vor Culloden und allem was in den letzten sieben Büchern geschah. Zu einer Zeit als Jamie gerade ein junger Erwachsener war, in Paris studierte, mit einer Französin anbändelte, sein Vater Brian noch lebte und und und!!!

Am Ende des Buches wusste ich nicht, ob ich froh oder enttäuscht sein sollte über das, was in dieser Zeit geschah. Nämlich fast nichts. Zumindest nichts bedeutendes. So vieles hätte doch anders laufen können! Jamie und Claire nicht durch Culloden getrennt; Brian nicht gestorben... Aber dann entschied ich mich für das froh-sein, den jede noch so kleine Veränderung hätte vieles, evtl sogar alles was Jamie und Claire je erlebten ausgelöscht und durch etwas dem Leser unbekannten ersetzt. Vielleicht wären sich die zwei ja nicht einmal je begegnet! (Die, die vertraut sind mit Relativität - oder ihr Wissen wie ich durch Stargate und Eureka hart erworben haben :-D - wissen was ich meine.)


Zum Thema Ende:

Als ich noch dachte dies sei das letzte Buch der Reihe hab ich mir brennend gewünscht, dass Jamies auftauchen als Geist zu Beginn von *Feuer und Stein* erklärt wird. Es wäre auch cool gewesen, wenn er (durch was auch immer) fähig gewesen wäre in die Gegenwart zu gelangen.

Zum Thema Liebe:
Als Claire angeschossen wird, ist ihm alles andere egal. Das er - wenn er bei ihr bleibt und nicht weiter kämpft - als Verräter erschossen werden könnte, ebenso wie alles andere und nur Claire und ihr Leben zählt noch für ihn. 
Als er zu diesem Zeitpunkt bei ihr bleibt, in blinder Wut mit ihrem Blut einem Soldaten eine Botschaft auf den Rücken schreibt... Eine der schönsten Teile des Buches!

Samstag, 5. Juli 2014

[Rezension] Echo der Hoffnung von Diana Gabaldon

ISBN 9783641029944
Echo der Hoffnung
   Bd. 7 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung
Der Unabhängigkeitskrieg Amerikas ist in vollem Gange. Jamie, welcher sich geschworen hat niemals seinem Sohn William mit angelegter Waffe gegenüber zu stehen, möchte mittels einer Druckerei und dem geschriebenen Wort in diesen Kampf eingreifen. Doch ein weiteres mal zwingt ihn sein Gewissen dort zu sein, wo er nie wieder sein wollte: 
An der Front.

Rezension
Der Anfang - wenn man es denn noch so nennen kann, den eigentlich waren es etwa die ersten 400 Seiten - hat mich etwas genervt. Der Grund dafür ist, dass Jamie und Claire während dieser Zeit stark in den Hintergrund rückten und es dafür so viele andere Charaktere gab, die über das übliche Maß, zum Verständnis und Geschehen der Geschichte, darin vorkamen. Zum Glück hat sich das im späteren Verlauf der Geschichte geändert und auch wenn es weiterhin viele Perspektiven gab, waren doch Jamie und Claire danach wieder im Fokus.


,,Es schmeckt wie das Zeug, das man einem Pferd
aus den Hufen kratzt."
,,Und wann hast du zum letzten Mal einem Pferd
den Huf ausgeleckt?"

Der Schwerpunkt war in diesem Buch ausnahmsweise offensichtlich. Der Krieg um die Unabhängigkeit Amerikas brach aus und alles vorige *Geplänkel* entlud sich in erbarmungsloser Gewalt. Zu meiner großen Freude, hat sich meine Befürchtung, dass Jamie und Claire von einer Druckerei aus rein theoretische Überlegungen diesbezüglich anstellen und das Buch daher sehr politisch basiert und daher - für mich - eher langweilig sein wird, nicht bewahrheitet. Durch widrige Umstände landeten sie an der Front und ihnen blieb nichts anderes übrig, als dort auch zu bleiben.


Der Hund blickte zu ihr auf, seine Augen gelb im
Kerzenschein. Er leckte sich die Lippen und wedelte sacht
mit der Rute. 
,,Was soll ich nur tun?", sagte sie. ,,Du hast es gut, du kannst
ihm den ganzen Tag hinterherjagen und in der 
Nacht sein Bett teilen, und niemand 
verliert ein Wort darüber."

Personen gab es in diesem Buch mehr als genug. Auch wenn ich natürlich verstehe, dass für das realistische beschreiben eines Krieges, ebenso wie für eine komplexe Handlung namen- und vergangenheitslose Charaktere nicht ausreichen, waren es für meinen Geschmack zu viele. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir der ständige Perspektivenwechsel, der unnötige Input den manche Charaktere in das Buch einbrachten und gerade die komplexen, von Lord John aufgestellten Vermutungen und Überlegungen gerade am Anfang etwas die Freude an der Geschichte geraubt haben.


Die nächsten Minuten gerieten zur Platten Komödie, weil
ich derart aufgeregt und atemlos in die 
Kapitänskajüte gerauscht kam, dass ich nur noch ,,Ho...
Schiff... ho!" keuchen konnte, wie ein Weihnachtsmann, der den
Verstand verloren hatte.

Der Stilwechsel. Da Brianna und Roger am Ende des letzten Bandes wieder ins 20. Jahrhundert zurückkehrten, wurde wieder von Ereignissen sowohl im 18. als auch im 20. Jahrhundert geschrieben. Doch dies und die schiere Anzahl der Perspektiven war diesmal nicht alles. Normalerweise schrieb die Autorin so, dass alles chronologisch geschah. Selbst zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert wurde so geschrieben, dass, wenn man durch den Steinkreis gehen würde, man dort herauskäme wo sie inhaltlich gerade im anderen Jahrhundert waren. Doch diesmal hinkten manche Perspektiven innerhalb des 18. Jahrhunderts gut ein Jahr hinter dem Rest hinterher. Etwas was mich vermutlich nicht halb so sehr verwirrte wie euch diese Erklärung :-D
(Zum Verständnis ein Beispiel im Spoiler) 


,,Du bist nicht besonders friedvoll, Sassenach", murmelte 
er einen Moment später und atmete Moschus
und neues Leben ein. 
,,Aber ich hab dich gern."

Der Spannungsbogen. Durch die vielen Perspektiven, Vermutungen, zeitlichen Sprünge  und das unnötige Input fällt es schwer den Überblick zu behalten. Da man außerdem bereits nach wenigen Kapiteln wieder zu einer anderen Person wechselt, ist es schwierig in die Geschichte hineinzufinden. Gerade in Bezug auf das Input fand ich das sehr schade, da einzeln alles sehr lesenswert war und nur die blanke Masse es herunter zog.
In der zweiten Hälfte des Buches wird es zwar allmählich besser und zum Schluss sogar richtig spannend, doch dies steigert nur die erbarmungslose Enttäuschung, als das Buch praktisch mittendrin zu Ende ist. Ich habe Verständnis dafür, wenn ein Autor etwas Spannung erhält und / oder dem Leser einen Einblick gewährt, was in einer Fortsetzung geschehen könnte, doch das so viele - geschichtlich wichtige - Punkte offen bleiben ist fast schon eine Frechheit. Gerade wenn man bedenkt, wie lange es dann meistens dauert bis eine Fortsetzung erscheint - 3 Jahre.

Fazit
Hart aber wahr: Ein mittelmäßiges Buch mit einem grauenvollen Ende! 






SPOILER
Zum Thema Personen: 
- Jamies steifer, rechter Ringfinger muss amputiert werden.
- Jamies Familie erfährt die Wahrheit über Claires Herkunft.
- Ian (Senior) stirbt an Schwindsucht und Jenny macht Claire Vorwürfe, weil sie vermutet, dass sie ihn hätte retten können, dies aber nicht tat.
- Jenny verlässt Lallybroch und zieht nach Amerika.
- Ian (Junior) gesteht Rachel endlich seine Gefühle, nachdem Arch Bug tot und er somit vor dessen Rache sicher ist.

Zum Thema Stilwechsel: 

Beispielsweise erleben Lord John und William Dinge im Jahr 1776 NACHDEM Jamie und Claire welche im Jahr 1777 erlebten.

Zum Thema Ende: 

- Claire dachte Jamie sei tot und sieht sich gezwungen zum Schutz von Marsali und ihren Kindern Lord John zu heiraten. Doch Jamie lebt noch. 
- Jemmy wurde, weil er weiß wo Jamie das Gold versteckte, entführt und ist in einem Tunnel eingesperrt in dem ein zeitlicher Übergang ist.
- Roger brach mit William Buccleigh MacKenzie - welcher ebenfalls ein Zeitreisender ist und zurück nach Hause will - ins 18. Jahrhundert auf, in der Hoffnung seinen Sohn zu finden.
- William erfährt das Jamie sein leiblicher Vater ist und läuft wütend weg.

Mittwoch, 25. Juni 2014

[Rezension] Ein Hauch von Schnee und Asche von Diana Gabaldon

ISBN 9783641060015
Ein Hauch von Schnee und Asche -
   Bd. 6 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung
Seit Jamie und Claire nach Amerika emigriert waren, hatte sie ihn gewarnt. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem er sich offen gegen den König und als Rebell outen muss. Nun, 1772, nehmen die Unruhen von Tag zu Tag zu und der Balanceakt zwischen königstreu und Rebell wird immer komplizierter und gefährlicher. Wann ist der richtige Zeitpunkt für dieses gefährliche Bekenntnis? Während sie diese Frage bei jeder ihrer Entscheidungen begleitet, droht ihnen noch von anderer Seite eine Gefahr. Der Tag X, der 21. Januar 1776, an dem Jamie und Claire angeblich bei einem Brand ums Leben kommen, rückt näher.

Rezension
Der Anfang. Schon in den ersten Kapiteln ist deutlich die Unruhe der Menschen zu spüren. Brände, Brutalität, Überfälle. Bürger die - mit stillschweigender Akzeptanz des Königs - Selbstjustiz üben. Ich finde dies ist eine wirklich gute Einleitung für ein Buch, welches sein Augenmerk sehr darauf liegen hat.
Dasselbe gilt für den Prolog, welcher die Zeit mit Gott vergleicht. Den alles ist in diesem Buch auf eine Sache fokussiert: Die Zeit.


,,Es ist gut, wenn Männer als Brüder essen", sagte Hiram
in seinem stockenden Tsalagi zu Standing Bear.
Zumindest versuchte er es. Und schließlich, so dachte Jamie,
der seine Rippen von der Anstrengung ächzen spürte, 
war der Unterschied zwischen "als Brüder" und
"ihre Brüder" wirklich nicht sehr groß.

Der Schwerpunkt. Wie auch im letzten Band ist auch hier der Titel nicht gleichbedeutend mit dem Schwerpunkt. Schon seit Briannas Ankunft im 18. Jahrhundert erwarten alle Leser wohl mit Spannung den 21. Januar 1776 - den Tag an dem Jamie und Claire angeblich verbrennen. Der Titel passt sehr gut dazu und bezieht sich meiner Meinung nach auch darauf. Dennoch liegt der Schwerpunkt des Buches auf der politischen Situation. Also auf der Zeit vor dem Krieg um die Unabhängigkeit. Mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen die schwer oder garnicht mehr zu bekommen sind, Protesten und gnadenloser Selbstjustiz, sowie chronischer Angst um Leib und Leben nur aufgrund einer politischen Meinung.
Die Autorin schafft es eindrucksvoll anhand sowohl kleiner als auch größerer Ereignisse diese Situation zu vermitteln und vergisst dabei nicht, dass es kein Sachbuch ist. Jamie und Claire werden geschickt eingewoben und kommen nicht zu kurz.


,,Ich bin nicht mehr so mutig, wie ich einmal war, weißt du?",
sagte er leise. ,,Nicht mehr mutig genug, um ohne
dich zu leben." Aber mutig genug um es zu versuchen.

Die Personen , die bereits im 5. Band auftraten, haben sich in diesem nicht sonderlich verändert. (Die Einzige Ausnahme im Spoilerbereich.) Dafür kommen aber ein paar neue Nebencharaktere dazu, welche - ganz nach Art eines guten Krimis - ihre wahre tiefe erst später aufdecken. (Spoiler)


,,Dort bräuchte wenigstens niemand Feuer zu legen; die Hälfte
von uns würde sowieso im Kamin sitzen und fröhlich
in Flammen stehen."

Der Stilwechsel. In diesem Buch ist ausnahmsweise keine größere Veränderung erfolgt. Man begleitet bei seltenen Kapiteln Ian, was vorher - wenn ich mich richtig erinnere - nicht der Fall war. Mehr aber auch nicht. 


,,Wer hängt wen", erkundigte er sich fröhlich.

Der Spannungsbogen. Immer wenn die Geschichte einen Zeitsprung macht, wird am Anfang des Kapitels die neue Zeit angezeigt. Während die Spannung schon allein deswegen steigt, weil sie dem Unabhängigkeitskrieg und dem Datum ihrer Todesanzeige immer näher kommen, geraten Jamie und Claire aber auch in so manche Schwierigkeit, weil sie bei den langsam zugunsten der Rebellen umschwenkenden, politischen Situation versuchen müssen keine der beiden Seiten so zu reizen, dass sie vorzeitig Maßnahmen gegen sie ergreift.
Abgesehen davon gibt es aber auch Ereignisse ohne politischen Hintergrund und auch diese sind teilweise so spannend, das sie in dem Punkt nur vom ersten Band übertroffen werden.


,,Ich glaube, ihm war nicht einmal da klar, warum ich sein
Feld niedergebrannt hatte; womöglich hat er
einfach gedacht, ich hätte plötzlich lust gehabt, seine Gerste
in Brand zu stecken.

Das Ende. Während ich bei Band 4 und Band 5 nicht das Gefühl hatte, dass sie inhaltlich abgeschlossen waren, ist es dafür aber Band 6. Tatsächlich habe ich wegen mehrerer (im Spoilerbereich aufgelisteten) Punkte sogar das Gefühl, das hier Band 4 und 5 gleich mit beendet werden. Und dennoch ist klar, dass dieses Buch fortgesetzt werden kann und wird (bzw. wurde.) 


,,Wenn du eines Tages", sagte Jamie im Konversationston,
,,einer sehr großen Maus namens Michael begegnen 
solltest, a bhailach - bestell ihr schöne Grüße von deinem 
Großvater."

Die liebe
Liebe. Claire hat in diesem Buch einiges durchzustehen. Ohne zu jammernden Quatschtanten zu mutieren, gehen sie und Jamie, in dem Buch, sehr offen miteinander um. Reden über ihre Gefühle und Ängste und sind - wie immer - füreinander da.

Fazit
Ein Hauch von Schnee und Asche ist wirklich ein mitreißendes Buch. Die zeitlichen Lücken wurden gut überbrückt, die bewegte Zeit wurde sehr detailliert dargestellt - aber verdrängte die Charaktere nicht und eine gewisse Spannung war kontinuierlich da.







SPOILER
In diesem Buch fragte Jemmy Jamie, wer ihm die Narben auf seinem Rücken zufügte. ,,...Sassunaich", erwiederte Jamie kurz. ,,Englische Soldaten."
Ob die Autorin Jamie wohl absichtlich das Wort hat anders aussprechen lassen, damit die Kinder es nicht mit Claire in Verbindung bringen?

Zum Abschnitt Personen: Arch Bug war der dritte Mann, welcher zusammen mit Jocastas Mann und Bruder das Gold der Franzosen entgegennahm. Er ist hundert prozentig königstreu, stahl Jocastas Gold und seine scheinbar freundschftliche Beziehung zu Jamie beruhte nur auf eiskalter Berechnung. Jamie schickt ihn fort.

Malva, welche in diesem Buch beginnt Claire bei ihren Tätigkeiten als Heilerin zu assistieren, ist von ihrem Bruder schwanger. Sie schäft mit einigen Jungen um den wahren Vater zu verheimlichen und - die Idee ihres Bruders - versucht sogar Jamie das Kind unterzujubeln. Als sie letztlich Claire zuliebe die Wahrheit sagen will, bringt ihr Bruder sie um. 

Zum Abschnitt Stilwechsel: Es wird etwas von Ians Vergangenheit aufgedeckt. Als seine Frau Emily mehrmals Babys verlor, baten ihn die Älteren des Stammes zu gehen. Dem Glauben der Indianer nach, war es seine Schuld, da sein Geist zu schwach war.

Zum Abschnitt Ende: 
- Stephen Bonnet stirbt, nachdem er seit Band 4 ständig Probleme machte.
- Roger und Brianna kehren mit ihren zwei Kindern Jemmy und Amanda in die Gegenwart zurück.
- Jamie schafft es sich politisch zu outen - ohne deshalb gelyncht zu werden. 
- Das Datum ihrer vermeintlichen Todesanzeige kommt endlich und dass entstehen dieser wird im 2. Epilog erklärt. 

Zum Abschnitt Liebe: Das Schlimmste was Claire in diesem Buch erlebt, ist wohl die Vergewaltigung - welche sie natürlich sehr aus der Bahn wirft. Aber auch ein lebensbedrohliches Fieber, eine Entführung, drohende Hängung, das Abbrennen ihres Hauses, falsche Verdächtigungen und der Tod ihrer Gehilfin Malva lassen Claire nicht kalt.

Donnerstag, 12. Juni 2014

[Rezension] Das flammende Kreuz von Diana Gabaldon

ISBN 9783641060008
Das flammende Kreuz -
   Bd. 5 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung
Bereits Jahre vor dem Krieg für die Unabhängigkeit Amerikas ist die Kluft zwischen arm und reich sehr groß. Immer mehr Siedler schließen sich einer protestierenden Gruppe, genannt die Regulatoren, an. Obwohl Jamie auf der Seite der Regulatoren ist - und durch Claire auch weiß das sie letztendlich siegen werden -, bleibt ihm keine andere Wahl als für König George gegen sie zu kämpfen. 

Rezension
Der Anfang. Das Buch beginnt einen Tag nachdem das davor - Der Ruf der Trommel - endete. Beim Gathering. Auch wenn viele Kapitel sehr interessant sind, finde ich das nicht alle für die Entwicklung der Geschichte oder das Verständnis nötig sind. Meiner Meinung nach sind 17 Kapitel für diese kurze Zusammenkunft der Clans einfach zu viel.

Er hatte keine Angst davor, mit ihr zu 
sterben, sei es durch Feuer oder auf andere Weise -
nur vor einem Leben ohne sie.

Der Schwerpunkt. Wenn man den Buchnamen - das flammende Kreuz - mit dem gleichnamigen Kapitel und der Bedeutung im Buch vergleicht, müsste der Schwerpunkt eigentlich auf dem Krieg gegen die Regulatoren und dem akzeptieren von Jamie als Führungskraft liegen. Doch leider wirken Kapitel dieser Art eher wie Zwischenstopps die dem Buch eine Richtung geben, die Kapitel dazwischen aber nicht übermäßig beeinflussen. Viele Kapitel wirken einfach losgelöst vom Grundthema des Buches. Eigenständig. Aber in dem Punkt möchte möchte ich nicht allzu streng sein, da man bei historischen Romanen ja nicht die großen Kriege herbei-fantasieren und/oder riesige zeitliche Lücken lassen kann.

,,Dann bringen wir ihn besser zurück", sagte Jamie.
Er sah seinen Enkel nicht ohne Mitgefühl an. 
,,Allerdings bekommst du wahrscheinlich den Hintern versohlt,
Kleiner. Frauen mögen es nicht, wenn 
man ihnen davonläuft.

Die politische Situation. Ob ein Kampf gegen Regulatoren Teil der realen Geschichte ist oder bloß der Fantasie der Autorin entspringt, weiß ich nicht - dafür sind meine Geschichtskenntnisse zu begrenzt. Aber das bereits Jahre vor einem großen Krieg Menschen unzufrieden sind, dies auch sagen und sich in Gruppen welcher Art auch immer zusammen schließen ist durchaus realistisch und diesen Punkt hat die Autorin - ohne sich unnötig darauf zu fokussieren - gut eingefangen. 

,,Nun, seit ich heimgekommen bin, hast du mich weder 
beschimpft noch mir einen 
einzigen Vorwurf gemacht, Sassenach. Heißt das, du glaubst,
das ich sterbe?"

Die Personen. In diesem Buch kommen nur wenig neue Personen dazu, die aktiv die Geschichte beeinflussen. Dafür tauchen alte Bekannte und Freunde wieder auf. Während Jamie im letzten Band etwas abgestumpft und arg pragmatisch wirkte, ist er in diesem Buch wieder ganz er selbst. (Weiteres im Spoilerbereich) Alles in allem ist dieser Punkt der Geschichte eine Rückkehr zu den Wurzeln, die mich sehr freut. 

,,Sag´s mir nicht", sagte ich. ,,Er war schon einmal 
verheiratet, und er dachte, seine erste Frau sei tot, aber er hat sie 
gerade hier am Buffet gesehen."

Der Stilwechsel. Was mir ja schon in früheren Bänden auffiel ist, dass es in jedem Buch bisher einen - mal mehr, mal weniger stark ausgeprägten - Stilwechsel gab. Doch ausnahmsweise wird etwas weggenommen und nicht hinzugefügt. Die Sichtweise aus verschiedenen Zeiten verschwindet, da alle aktiven Personen in derselben Zeit leben. 

Leider muss ich sage, macht sie aber auch Qualitativ einen Schritt zurück. Viele Kapitel sind erheblich kürzer als früher, interessante Dinge werden unterbrochen um zu sehen was andere in der Zeit tun. Meistens ist dies dann wesentlich unspektakulärer. Einfach ein kurzer Einblick. Diese - meiner Meinung nach häufig unnötigen Kapitel - beeinträchtigen negativ den Lesefluß und die Spannung.

,,Du hast das Richtige getan, Claire",
murmelte er schließlich, den Mund an meinem Haar. 
,,Aber in Gottes Namen, tu das nie wieder!"

Der Spannungsbogen. Wie schon beim Schwerpunkt geschrieben, werden einige Kapitel nicht - oder nur bedingt - von den großen Ereignissen beeinflusst. Dementsprechend abrupt ändert sich der Grad der Spannung. So kommt es, das es manchmal auch ohne große Vorrede zu Spannungsspitzen kommt oder auch dazu, dass interessante Ereignisse stark an Spannung verlieren, weil sie plötzlich unterbrochen werden. Außerdem kommt es nicht wirklich zu einer regelmäßigen Steigerung - zumindest nicht über das ganze Buch hinweg - da die Kapitel teilweise recht unabhängig voneinander existieren und so manchmal auch so kurz sind, dass man nicht richtig in das Kapitel hineinfindet. 
Alles in allem ist für diese Schreibweise das Buch eindeutig zu lang!

,,Ich frage mich, ob man es dem guten Vater wohl gestatten
würde, mir die Beichte abzunehmen."
Jamie hatte die Augen fest auf den Zeltpfosten gerichtet und 
wich meinem Blick angestrengt aus. 

Die liebe Liebe. 
Jamie und Claire gehen in diesem Buch nicht nur gewohnt liebevoll sondern auch sehr offen miteinander um. Ein kleiner - schnell beigelegter Konflikt - ausgenommen. 
Rogers und Briannas Beziehung zueinander leidet lange arg unter einem in diesem Buch erlebten Trauma Rogers. (Spoilerbereich)

,,Die, äh, Spermien"; sagte er etwas umständlich.
,,Ja?" 
,,Kannst du sie nicht nach draußen bringen 
und sie vielleicht anständig beerdigen?"

Das Ende ist zwar nicht übermäßig spannend, dafür aber hoch interessant, da man Informationen bekommt, welche etwas vom geschichtlichen Potential von *Ein Hauch von Schnee und Asche* offenbaren. (Ebenfalls im Spoilerbereich) 

Fazit
Lesenswert, aber deutlich schwächer als die Vorgänger der Reihe. Ich würde mir wünschen, dass die Kapitel etwas mehr miteinander zusammenhängen und das weniger Füller eingebaut werden.




SPOILER
Zum Abschnitt Personen: Es taucht unter anderem Ian (Junior) wieder auf. Er ist ernster als früher und redet nicht darüber, warum er die Indianer verließ. Begleitet wird er natürlich von seinem treuen Wolfshund Rollo und rettet Jamie und Roger beim ersten Treffen vor einem angriffslustigen Schwein.

Zum Abschnitt Stilwechsel: Ich finde diesen Schritt zurück - zumindest für dieses Buch - echt gut, da er dafür sorgt das Jamie und Roger sich besser kennen lernen. 

Zum Abschnitt Liebe: Claire wird fast vergewaltigt und Jamie reagiert mit Vorwürfen über ihr angebliches geflirte.

Nachdem Roger gehenkt wurde, kann er - mit knapper Not - mit Hilfe eines Luftröhrenschnittes gerettet werden. Aber fortan kann er nicht mehr sprechen oder gar singen.

Zum Abschnitt Ende: Ian bringt von den Indianern eine Art Expeditionstagebuch vom Verstorbenen, Zeitreisenden Otterzahn mit. Während sie es lesen erfährt Ian, dass Claire, Brianna und Roger - wie er bereits vermutete - aus der Zukunft sind und sie erfahren, dass auch der kleine Jemmy in der Lage ist durch die Zeit zu reisen.

Ansonsten...
Am besten fand ich die Kapitel nachdem Jamie von der giftigen Schlange gebissen wurde. Wie er sich entschließt lieber zu sterben als mit amputiertem Bein zu leben und dann nach einem Nah-tot-Erlebnis von Claire gerettet wird und begreift wie sehr sie ihn braucht. Wie er die Amputation akzeptiert und letztlich gerettet wird... 

Samstag, 7. Juni 2014

[Rezension] Der Ruf der Trommel von Diana Gabaldon

ISBN 9783641059996
Der Ruf der Trommel -
   Bd. 4 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung

Jamie und Claire sind wieder vereint und in der neuen Welt sicher vor Schottlands Justiz. Nur das sie - wie Brianna weiß - eben doch nicht so sicher sind! Während Jamie und Claire noch unentschlossen einen neuen Platz zum Leben suchen, sucht Brianna nach ihnen - und Roger nach ihr. Alle mit demselben Ziel: Sicherheit für ihre Lieben.

Rezension
Der Stilwechsel des 3. Buches, ist in diesem noch wesentlich ausgeprägter. Hier sieht man die einzelnen Abenteuer von mindestes vier Personen (Jamie, Claire, Roger und Brianna - und das zeitweise sogar zu verschiedenen Zeiten. Größtenteils empfand ich das als positiv, doch leider waren manche Kapitel Alltagskapitel, die sich mit dem entstehen von Fraser´s Ridge und dem Leben darin beschäftigen oder einfach Was-passiert-sonst-noch-Kapitel, die ebenso wie ersteres teilweise etwas langweilig und manchmal unnötig sind.


,,Nichts geht verloren, Sassenach, 
es verändert sich nur."

Der Anfang. Diesmal ging das Buch schnell, spannend und ohne überflüssige Informationen los. Während in manchen Büchern zwar das Ziel des Buches klar, der rote Faden aber verborgen ist, ist es in diesem Buch genau umgekehrt. Es scheint kein festen Endpunkt zu geben, aber auf jede Aktion - Information, Handlung etc - folgt binnen weniger Kapitel eine entsprechende Reaktion.

Ich denke man kann sagen, dass der Schwerpunkt der Geschichte auf der Beziehung von Roger und Brianna lag. Ich nehme stark an, dass Kapitel über Jamie und Claire mindestens genauso häufig - wenn nicht sogar häufiger - sind, aber die spannenderen Kapitel sind zweifellos die von Roger und / oder Brianna. 


,,Ich konnte ihre Hand auf ihm spüren", flüsterte sie.
,,Im Bett. Sie hat zwischen uns gelegen, ihre Hand auf ihm, 
so dass er steif wurde und im Schlaf nach ihr rief.

Die Umgebung. Während Jamie und Claire in Band 2 und 3 fast durchgehend auf der Reise waren, spielt für sie in diesem Band der Großteil der Geschichte in Fraser´s Ridge, wo sie alle Hände mit dem Bau einer kleinen Siedlung zu tun haben. 
Roger und Briannaa andererseits sind an vielen verschiedenen Orten - oder unterwegs. 

Die politische Situation. Anders als ich in meiner letzten Rezension vermutet hatte - eigentlich sogar glaubte zu wissen - hat dieses Buch sich nicht wesentlich mehr als der Vorgänger mit Sklaverei beschäftigt. Ebenso wie die Landverteilung im Afrika des 18. Jahrhunderts, war auch die Sklaverei ein Thema aber kein Punkt der besonders hervorgehoben oder erklärt wurde. 


Da er selbst das Nesthäkchen seiner Familie war, 
war Ian von Lizzie verzaubert und 
behandelte sie wie eine jüngere Schwester,
abwechselnd Nervensäge und Lieblingshaustier.

Die Personen. Wie ich schon geschrieben habe, stehen in diesem Buch Roger und Brianna im Fokus. Wer glaubt sie bereits zu kennen täuscht sich gewaltig! Nein, sie ändern sich nicht um 180 Grad, aber neue Umstände bringen bisher unbekannte Seiten an ihnen hervor.
Abgesehen davon wirkt Ian erwachsener und Jamie - zu meinem bedauern - etwas härter und irgendwie abgestumpft. Doch viele Abschnitte in denen Jamie so wirkte hatten bei näherem hinsehen gute Gründe (Spoilerbereich) und die wenigen, die nicht hundert prozentig begründet waren, waren von der Autorin so beabsichtigt.
Neue Charaktere die eine wirklich aktive Rolle spielen sind eher Mangelware. Doch deren unterschiedliche, interessante und in einem Fall auch recht kontroverse Persönlichkeit, sorgt für viele belustigte Kopfschüttler und einiges stirnrunzeln. 


,,Es gibt ein Wort", sagte ich, ,,für Leute, die sich auf
diese Methode der Verhütung verlassen."
,,Und zwar?", fragte sie mit argwöhnischem Gesicht.
,,Eltern", sagte ich.

Einen klaren Spannungsbogen bei dem ich sehe wann was von der Autorin beabsichtigt wurde, sehe ich nicht. Wie ich schon geschrieben habe, haben am Anfang Aktion und Reaktion immer unmittelbar nacheinander stattgefunden. Auf das ganze Buch bezogen setzt sich dies zwar fort, aber wenn man sich das Ende ansieht, hatte die Autorin wohl - statt wie in Buch zwei und drei ein offensichtlich bestimmtes Ziel (Krieg in Culloden, Ians Rettung) - eher einen Vergleich im Sinn. So war es, so ist es. Bis dahin wirkt das Buch ein wenig ziellos. 

Das Ende. Abgesehen von dem So-war-es-so-ist-es-Aufbau des Buches, kommen interessante Dinge ans Licht welche zeigen, dass die Autorin nicht nur seit seit dem Beginn des Buches das Ende plante, sondern den groben Verlauf dieses Buches wohl auch schon in vorigen Bänden im Kopf hatte. (Bsp. im Spoilerbereich)


,,Du könntest mich in Stücke reißen, Claire, 
ohne mich zu berühren", flüsterte er, 
,,den du kennst mich."

Die liebe Liebe. Sowohl Jamie und Claire, als auch Brianna und Roger hatten in diesem Buch mit vielen Missverständnissen zu kämpfen und Zweifel zu überwinden. Man konnte gut sehen wie unterschiedlich und irgendwie dennoch gleich die Probleme von frisch verliebten und lang-verheirateten sind. Obwohl ich nicht weiß, ob man das trotz der 20 Jahre Trennung nach Culloden so sagen darf. 

Mein Fazit
Das Buch wirkt auf mich wie eine Atempause. Nicht schlecht - wirklich nicht! - aber ruhig. Im Gegensatz zu den anderen Büchern, welche alle einen festen Abschluss hatten, wirkt dieses Buch wie eine typische Fortsetzung. 
Vielleicht tritt das Gefühl durch den häufigen Perspektivenwechsel auf, vielleicht auch durch die vielen kurzen, ruhigen Kapitel... Ich mag das Buch, aber die Vorgänger fand ich besser!



SPOILER
Zum Abschnitt Personen: Die Vergewaltigung seiner gerade kennengelernten Tochter, die Tatsache das jemand den er vor dem Galgen rettete weiter Unheil anrichtet, das Gefühl der Frau die er liebt nichts bieten zu können und so einiges mehr setzen Jamie in diesem Buch sehr unter Druck. 
Dazu kommt ein Leben in dem Gewalt bisher häufig zum Alltag gehörte. All dies haben Jamie - wie von oben erwähnt -härter gemacht und er scheint etwas abgestumpft zu sein. Doch genau dies scheint die Autorin beabsichtigt zu haben, den weiter hinten im Buch bekommt Jamie von Ian Senior einen Brief, in dem dieser ihn genau davor warnt. 

Zum Abschnitt Ende: Ich hatte mich schon gefragt wie Jamie -laut einer alten Zeitung welche Brianna fand - bei einem Brand in Fraser´s Ridge (Amerika) sterben soll, wenn Claire seinen Grabstein - in der Gegenwart - in Schottland fand.

Zum Abschnitt Liebe: Trotz der beziehungs-internen Missverständnisse, ist das Größte wohl das zwischen Vater und Tochter, in dem es um die Identität Rogers und um die Vergewaltigung Briannas geht. 
Hier hat die Autorin echtes Fingerspitzengefühl bewiesen! Durch unvollständige Informationen und vermiedene Gespräche hat lange Zeit keiner begriffen, das Brianna zwei Männer hatte und das ihre große Liebe Roger Wakefield ebenfalls MacKenzie heißt und somit natürlich nicht derjenige ist, welcher Brianna vergewaltigte.

Montag, 19. Mai 2014

[Rezension] Ferne Ufer von Diana Gabaldon

ISBN 9783641059989
Ferne Ufer -                             
   Bd. 3 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung
Jamie lebt! Zumindest vermutet Claire das. Zwanzig Jahre nach der Schlacht von Culloden kehrt Claire ins 18. Jahrhundert zurück und macht sich auf die Suche nach ihm. Sie findet ihn lebend, aber sein Leben ging weiter. Er verfasst aufwieglerische Texte, schmuggelt und wechselt seine Identitäten wie andere ihre Kleidung. Während sie noch versuchen sich neu kennen zu lernen, wird Jennys fünfzehnjähriger Sohn Ian entführt und Jamie und Claire ist keine Mühe und kein Risiko zu groß um ihn zu retten. 

Rezension
Auch dieses Mal hat sich der Schreibstil der Autorin wieder verändert. Am Anfang kann man regelmäßig die Geschichte aus Jamie´s Perspektive erleben. Da man vieles schon vorher durch die Recherchen in der Zukunft grob erfuhr, gab es in dieser Zeit zwar wenig großen Überraschungen, aber Jamie erlebte Dinge und stand vor Herausforderungen, welche in der Form mit Claire nicht möglich gewesen wären. Nicht nur eine sehr angenehme Abwechselung, sondern auch ein schöner Kontrast zu der Zeit danach. 

,,Ihr Vater hat rote Haare und ist ein langes Elend,
oder alles was ich in Genetik gelernt 
habe, war gelogen."

Nach dem Anfang liegt der Schwerpunkt der Geschichte auf der Rettung von Jamie´s fünfzehnjährigem Neffen Ian. Während der Suche gab es zwangsläufig größere, zeitliche Lücken zu füllen und ich bin froh, dass diese Zeiten nicht einfach übersprungen wurden. So war es viel realistischer, als wenn bei einer so langen Reise zu dieser Zeit alles glatt gegangen wäre.
Nur einmal muss ich sagen, gab eine Aktion die mich sehr erstaunte, verwirrte und deren Zustandekommen - wenn ich nicht etwas übersehen habe - leider nicht erklärt wurde.
(Näheres bei Interesse im Spoiler-Bereich unten.)

Die Umgebung. Wie der Titel des Buches schon vermuten lässt, findet der Großteil des Abenteuers - sehr zum Leidwesen des leicht seekrank-werdenden Jamie - auf dem Meer statt. Zwar gehen sie auch manchmal an Land, treffen Leute und tun notwendige Dinge, aber die meiste Zeit der Geschichte spielt auf verschiedenen Schiffen. 

,,Willst du mich?" flüsterte er. ,,Sassenach, willst du mich 
haben und es mit dem Mann wagen, 
der ich bin, um des Mannes willen, den du gekannt hast?"

Die politische Situation wurde in diesem Buch nur in soweit hervorgehoben, dass man spürte, wie sehr das Land unter den Engländern und deren Herrschaft litt. Aber von Intrigen, Machtkämpfen und Strategien diesmal eher nichts. Dafür wurde an verschiedenen Stellen das Thema Sklaverei vorsichtig angeschnitten - und wenn ich den Titel der Fortsetzung (Der Ruf der Trommel) mit der Geschichte vergleiche, gehe ich davon aus, dass das Thema noch vertieft werden wird. 

Da Claire bereits zwanzig Jahre in ihrer Zeit lebte, hat sich zwangsläufig auch im 18. Jahrhundert einiges verändert. 
Wie auch in den bisherigen Büchern versteht es die Autorin auch hier, alte Personen geschickt in die neuen Abenteuer einzufügen und ihnen neue Aufgaben zu geben. Zusätzlich zu den neu dazugekommenen Personen sind Kinder erwachsen geworden, Dinge geschehen, neue Bekanntschaften geschlossen worden und und und. All das sorgt für eine völlig neue Ausgangsposition.

,,Ich habe lange keine Angst mehr gehabt, 
Sassenach", flüsterte er. 
,,Aber jetzt habe ich Angst. Denn jetzt habe ich wieder
etwas zu verlieren."

So klar ausgeprägt, wie im 2. Band ist der Spannungsbogen diesmal nicht. Natürlich wird die Vorfreude und Spannung des Lesers bis zum zusammentreffen der Protagonisten kontinuierlich gesteigert, aber danach sind es eher plötzliche, unangekündigte Ereignisse, die die Spannung bis zu ihrer Auflösung oben halten, während sie sich dem großen Ziel - Ians Rettung - langsam nähern. Am ehesten zu vergleichen mit kleinen Geschichten, innerhalb einer großen. Klingt vielleicht nicht gut, ist aber so gemeint! Den die Dinge haben trotzdem ihren Teil im großen Ganzen zu spielen und passen außerdem gut rein!

Es war ein wirklich schönes Ende! Nicht so gefühlvoll wie das Wiedersehen von Jamie und Claire, aber bei diesem Punkt war es auch wesentlich einfacher eine schöne Stimmung aufzubauen. Aber man sagt doch immer: Lieber Taten als Worte sprechen lassen! Und wenn man sich vor Augen führt, was Jamie am Ende tat... (Spoilerbereich) 

Und danach, nach einem ganzen Buch voller Pech, haben sie endlich einmal richtig großes Glück!

,,Verdammt sollst du sein, Sassenach!
Ich schwör dir, wenn du hier vor meinen Augen 
stirbst, dann bring ich dich um!"

Vermutlich der zweite Schwerpunkt der Geschichte: Jamie und Claire. 20 Jahre getrennt, den anderen für tot gehalten und weiter gelebt. Nun stehen sich zwei Personen gegenüber, die sich zwar leidenschaftlich nacheinander sehnen, sich aber praktisch nicht mehr kennen. Bei dem Versuch sich wieder richtig kennen zu lernen, stoßen sie auf Geheimnisse, die sie am anderen Zweifeln und Verzweifeln lassen und müssen sich mehr als einmal vor Augen führen, dass das Leben nicht 20 Jahre still stand. 

Fazit
Ein Buch mit sehr gefühlvollen Stellen, mehr als bloß gelungenem Stilwechsel und einer mitreißenden Geschichte. Bei jeder anderen Autorin vermutlich 5 Sterne, aber im Vergleich zu seinen Vorgängern ein wenig schwächer.




SPOILER
Zur fehlenden Erklärung: Ich hätte zu gern gewusst, wie Jamie es geschafft hat sich als Hauptmann auszugeben, als Fergus mit dem Schiff kenterte und er den Soldaten als *Hauptmann* befahl ihnen zu helfen und es wieder seetüchtig zu machen. 
Hab ich da was übersehen?

Zum Abschnitt Ende: 
-Er sprang einfach ins Meer um Claire zu retten, obwohl er wusste, dass es keinen Rückweg gab, nicht wusste, wo oder wie weit die nächste Insel entfernt war oder ob er sie überhaupt würde retten können. Und hat sie während der ganzen Zeit über Wasser gehalten.
-Keine Justiz, keine Toten, nur ein großes freies Land und die Mittel es zu nutzen. Sie haben ihr Ziel erreicht ohne es angesteuert zu haben: Amerika!

Sonntag, 11. Mai 2014

[Rezension] Die geliehene Zeit von Diana Gabaldon

ISBN 9783641059972
Die geliehene Zeit -
   Bd. 2 der Highland Saga
von Diana Gabaldon
eBook

Zusammenfassung
Zwanzig Jahre sind seit dem Ende des ersten Buches vergangen. Claire lebt wieder in der Gegenwart - 1968 - zusammen mit ihrer Tochter Brianna. Ihr erster Mann Frank ist seit 2 Jahren tot und so hat sie sich entschieden ihrer Tochter Schottland zu zeigen. Sie trägt ein Geheimnis mit sich rum, eine Geschichte, welche sie Brianna schon sehr lange erzählen möchte. Doch während sie noch rätselt, wie sie diese beginnen soll, macht sie eine Entdeckung, die sie völlig aus der Bahn wirft und beginnt verstört eine ebenso rührende wie magische Geschichte über die Highlands des 18. Jahrhunderts, über Intrigen, das Schicksal und über den Mann den sie mehr als ihr Leben liebte, Briannas Vater, Jamie.

Rezension
Das erste was mir einfällt, wenn ich an dieses Buch denke, ist, wie sehr es sich von seinem Vorgänger unterscheidet. 
Das zeigt sich schon direkt am Anfang. Während beim ersten Teil die Protagonistin, ihre Umgebung und Vergangenheit beschrieben wurde, fängt dieses Buch mit echten Schockern an. Claire in der Gegenwart? Ohne Jamie? 
Auch der Schwerpunkt der Geschichte hat sich verändert. Während im ersten Buch Jamie und Claire im Vordergrund standen und sich die Geschichte um sie, ihre Gefühle in einer schwierigen Zeit und verschiedene Bedrohungen drehte, haben sie nun ein festes Ziel vor Augen: Charles Stuart aufhalten und so die Abschlachtung von unzähligen Schotten in Culloden verhindern. 
Zu diesem Zweck begeben sie sich nach Frankreich - in eine für sie völlig neue Umgebung -, wo statt einem gemütlichen Abendbrot steife Abendgesellschaften und statt einem Kampf auf Leben und Tod, Klatsch und Tratsch und ein gefährlicher Drahtseilakt zwischen Schein und Sein auf sie wartet.
Dabei schildert die Autorin immer wieder ausführlich die politische Situation mit Überlegungen, Motiven und Plänen des Adels und der Königsfamilien. 
Eine kleine Beruhigung für alle, die ebenso wie ich kein als Roman verpacktes Sachbuch wollen: Dies hier ist keines!
Allerdings kann man nicht leugnen, dass solche Aspekte vermehrt erklärt und diskutiert werden. Und auch nicht, dass ich manche Passagen mehrmals lesen musste, bevor ich den Zusammenhang richtig begriff.

Ein bisschen Schwierigkeiten haben mir die Namen und Arbeiten der neuen Personen gemacht. Scheinbar hatten zu dieser Zeit viele - gerade höher gestellte - gleich mehrere Namen und wurden zudem auch oft einfach mit ihrem Titel angesprochen. Manchmal dauerte es so eine Weile bis ich begriff, wer gemeint war. 
Ich finde es toll, dass die Autorin bekannte Personen und Ereignisse so geschickt eingebaut hat. Der Übergang zwischen der Realität und dem, was sie sich selbst zusätzlich ausgedacht hat ist für mich nicht zu erkennen!
Doch nicht nur die durch die Weltgeschichte bekannten Personen haben Beachtung verdient. Die Charaktere sind allesamt sehr ausgeprägt und individuell und so manche Verbindung wird zum Ende hin aufgedeckt und sorgt für Überraschungen!

Das Herz eines guten Buches? Naja, auf jeden Fall verdammt wichtig: Der Spannungsbogen! 
Wie ich schon oben erwähnte, beginnt dieses Buch - zumindest in meinen Augen - mit einem echten Schocker. Schnell sammeln sich dutzende Fragen und als Claire sich dann endlich erbarmt und beginnt zu erzählen, sitzt man schon wie auf heißen Kohlen. 
Man überlegt das ganze Buch hindurch, rätselt, hofft und bangt - zuerst wegen der anfänglichen Fragen, später wegen dem feinen Netz, was sich nahezu unsichtbar um Jamie und Claire bildet und sie mehr und mehr in eine bestimmte Richtung drängt, bis sie letztlich dort sind, wo sie nie sein wollten. 

Wie sich die Geschichte so unbemerkt zuspitzt, hat man das Gefühl man wäre live dabei und fiebere mit. Vielleicht liegt das an der Form der Autorin zu schreiben. Zum Ende des Buches *hetzen*, es schnell veröffentlichen und dabei wichtige Übergänge und Feinheiten ignorieren, passt einfach nicht zu ihr. Und solange dies so bleibt, ist es mir absolut gleichgültig ob ihre Bücher 200 oder 20.000 Seiten haben!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich das Ende. Ein Buch - egal wie toll in allen anderen Punkten - ist fast wertlos ohne ein dazu passendes Ende. 
Ich glaube, ich habe noch nie bei einem Buch so viel und so lange geweint, wie bei diesem. Gerade kurz bevor Claire aufhört zu erzählen, konnte ich damit gar nicht mehr aufhören. Es war als würde sie es zugleich erleben und erzählen. Eine Mischung - Wie ein auftauchen aus der Geschichte.
Und wie es sein soll, gibt es ganz zum Schluss noch eine Überraschung!

Zu guter letzt: Die liebe Liebe. 
Jamie und Claire haben in diesem Buch einige Schicksalsschläge hinnehmen, müssen sich oft anders verhalten als sie es gerne möchten oder werden gar in die Ecke gedrängt. Dies lässt sie manchmal überreizt sein, richtig fies streiten und stellt ihre Liebe auf harte Proben. Doch egal wie es gerade um sie steht, nichts was sie sagen klingt wie eine hohle, herbeigezerrte Phrase - und das ist meiner Meinung nach - gerade nach schlimmen Meinungsverschiedenheiten in einem Buch schwer. 

Mein Fazit
Völlig anders als Band 1 und trotzdem einfach wunderbar! Wer Liebesromane liebt und diese Reihe nicht kennt, der hat war verpasst!!!
Einzig den politischen Aspekt hätte man besser / einfacher erklären können oder das Buch mit einer kurzen Info-Seite über die Grundlagen dieses Bereiches ausstatten können.